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Thema des Monats

Thema des Monats Mai 08

Deutschland im Diätenwahn - wann kommt der Jojoeffekt?

Unsere Bundespolitiker in Berlin rudern in Sachen Diäten zurück!

Für die Jüngeren unter uns und diejenigen, die sich nicht für Politik interessieren:

Wir kennen Diäten normalerweise aus anderen Lebensbereichen, wenn wir etwa viel Sport treiben, unsere Ernährung umstellen und dabei ordentlich Gewicht abnehmen wollen. Bei unseren Politikern verhält sich das anders: Deren Diäten dienen primär nicht dem Ziel abzuspecken. Sie verdienen nichts. Sie haben auch keine Gehälter - sie haben Diäten.

Letztes Jahr haben sie eine Erhöhung ihrer Diäten von rund 7.000 Euro auf rund 7.300 Euro im Jahr 2008 beschlossen. Und im selben Atemzug haben sie auch beschlossen, dass die Diäten im Folgejahr 2009 noch einmal um weitere 300 Euro angehoben werden. Macht über den Daumen, oder um es Neudeutsch auszudrücken - round about - 7.600 Euro.

Also in einem Atemzug gleich zwei Erhöhungen beschlossen. Lieber zwei kleinere als eine große Erhöhung. Da ist das Geschrei in der Öffentlichkeit nicht ganz so groß. Das haben sie im letzten Jahr beschlossen, im November. Jetzt wollten sie gleich noch einmal einen weiteren Nachschlag holen. Nun gab es wider erwarten negative Resonanz in der Bevölkerung. Und schon rudern sie alle zurück.

Handeln aus Einsicht? Weit gefehlt!

Interessant ist die Begründung: Die jüngst im Mai geplante Erhöhung, so war zu hören, sei im Grunde richtig! Man müsse nur für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. Und rhetorische Spartaner äußern, dass diese Erhöhung schlicht nicht vermittelbar sei. Soll das etwa heißen, dass wenn sie vermittelbar wäre, man auch zuschlagen würde?

 

Ich versuche diese Logik einmal in einen meiner Lebensbereiche zu übertragen: „Schatz, ich würde dich gerne mal betrügen, ich weiß nur noch nicht, wie ich Dir das dann erklären soll. Also lass ich es, bis ich ´ne gute Erklärung dafür finde.“

 

Mir und meiner Partnerin wird schlecht.

 

Erinnern wir uns an das Schmierentheater rund um das Thema Rentenerhöhung! Ein halbes Jahr mussten wir diese unglückliche Diskussion über uns ergehen lassen. Selbst Hinterbänkler vieler Parteien haben sich aus den tiefsten Provinzen hervorgetan und ereifert- es dürfe nicht sein, dass die Renten erhöht würden. Erinnern wir uns, wie man sich zum Retter der jungen und aller künftigen Generationen aufspielen wollte:

Die Älteren würden auf Kosten der jungen Generation leben.

Ja, das stimmt! Die Alten leben auf Kosten der jungen Generation. Wer also in Gemeinschafts- oder Sozialkunde in der Schule aufgepasst hat, weiß das. Wir sagen auch Generationenvertrag dazu. Wir jungen Leute haben schließlich auch einmal von den Alten gelebt.

Sie haben über Jahrzehnte hart gearbeitet und haben in diese Versicherung eingezahlt. Wenn der Versicherungsfall eintritt, muss die Versicherung halt zahlen. Hat übrigens über viele Generationen wunderbar funktioniert. Sich darüber zu ereifern: Erbärmlich!

Die Alten haben eine Rentenerhöhung verdient! Sie haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass diese Nation großartig ist. Aber, dass über eine Erhöhung von läppischen 1,1 Prozent einige Politiker schlicht ´nen Steifen bekommen, und sich darüber erregen können.... mannomann.

  

Und dann war noch kürzlich zu lesen:

...die Älteren würden immer mehr werden.

(Eine tolle Erkenntnis! Die Soziologen wissen dies schon seit über vier Jahrzehnten. Toll, dass diese Erkenntnis nun auch in Berlin angekommen zu sein scheint).

 

... die Parteien würden überproportional Rücksicht darauf nehmen.

(Rücksichtsvolle Parteien sind mir sympathisch, wir haben eh viel zu wenig davon! Bestimmten Gruppen in der Bevölkerung Aufmerksamkeit schenken, ist das Wesen der Demokratie, noch dazu einer signifikant großen Gruppe).

 

Und nun kommt es:

... am Ende drohe dies in die Richtung zu gehen, dass die Älteren die Jüngern ausplündern.

(Traurig: Diese Äußerung stammt weder von einem unerfahrenen Hinterbänkler aus irgendeiner Provinz, noch von einem Funktionär einer Jugendorganisation einer Partei, dessen Ungeschicktheit vielleicht mit Unerfahrenheit entschuldbar wäre).

Echt interessant ... am Ende in die Richtung gehen, dass die Alten die Jungen ausplündern.

 

Ich sehe es gerade vor mir: Wir schreiben das Jahr 2020.

Es ist nachts. Ein mit Handtaschen bewaffneter Trupp frustrierter Omis patrouilliert die Straßen der Ghettos. Jugendliche Rocker werden in Mitten brennender Mülleimer von ihren Motorrädern gezerrt und deren Handys abgezogen.

Die Älteren plündern die Jungen aus? Mal ehrlich: Wir reden hier über eine Rentenerhöhung von gut einem Prozent. Das macht gut einen Euro mehr auf hundert Renteneuro - schlappe zwei Briefmarken.

Sollte es Rentner geben, die tausend Euro Rente erhalten... deren Erhöhung läge bei gut 10 Euro! Ja ja: Die Alten plündern die Jungen aus.

Wer plündert hier wen aus?

Letztes Jahr beschließt Ihr eine Erhöhung von 7.000 Euro auf 7.600 Euro in zwei Schritten. Von der CDU sollen 159 Stimmen dafür und ganze fünf (!!!) sollen dagegen gewesen sein. Das darf sich christliche Politik nennen. Steht ja schon in der Bibel, „Wer viel hat, dem wird noch mehr gegeben. Wer wenig hat, dem wird auch das Wenige genommen, was er hat (wer es nicht glaubt, kann es ja mal nachlesen, z.B. Matth.13; Matth. 25; Lukas 19).

Waren von der SPD wirklich 177 dafür und nur schlappe 13 dagegen? Hervorragende sozialdemokratische Tugenden!

Die große Koalition besteht bekanntlich aus Parteien, die sich bislang nicht unbedingt grün waren. Über viele Jahrezehnte gar gegensätzlich. Diese Koalition ist keine Liebesheirat gewesen - eher eine Vernunftsehe. So manch gemeinsamer Beschluss ist denen schwer gefallen. Bestimmt auch diese Diätenerhöhung. Da mussten die Bundestagsabgeordneten sicher lange bearbeitet werden und die Parteidisziplin eingepeitscht werden, bis dieser ach so knappe Mehrheitsbeschluss widerwillig getragen wurde: 377 dafür.

Na gut: 7.600 Euro wollen noch versteuert werden. Wäre da nicht noch eine Pauschale von rund 3.700 Euro, die nicht versteuert werden muss. Rechnerisch kann man sagen, dass das, was an Steuern abgezogen wird, durch diese Pauschale weitestgehend wieder aufgefüllt wird.

Und wer noch Belege beibringen kann, etwa für eigene Mitarbeiter, kriegt bis zu 13.000 Euro zusätzlich, und das monatlich. Also, am Hungertuch muss man im Bundestag nicht nagen. Innerhalb eines Jahres wollen die also gleich dreimal zuschlagen.

Und dann gab es noch diesen netten Hinweis: Dass einige von Euch, bevor sie in die Bundespolitik gingen, in ihrem alten Job mehr verdient hätten. Oh, Ihr Ärmsten! Wurdet Ihr etwa gezwungen in die Politik zu gehen?!

Musstet Ihr etwa das Paradies Eures gut bezahlten Hauptjobs aufgeben und in die unterbezahlte Politik gehen? Und dann noch in die Provinz gehen, in die Walachei von Berlin. Ihr seid ja so zu bedauern!

 

Soll heißen: Wenn es Euch nicht passt, dann geht doch wieder in Euren alten Job zurück!

Wird jeder von uns verstehen. Wird Euch keiner Krumm nehmen. Es wird uns zwar schwer fallen, von Euch Abschied zu nehmen. Ja, wir werden regelrecht traurig sein. Ich schlage einen Monat Staatstrauer vor. Aber vielleicht kriegen wir dann endlich mal neue Gesichter in den Talkshows zu sehen. Sind doch eh immer die selben Gestalten (machen die eigentlich noch nebenbei Politik oder sind sie längst voll ins Showbusiness eingestiegen?). Jeden Abend immer Ernie und Bert und Pumuckel für Erwachsene - auf Dauer ist das nicht mehr zu ertragen.

Einige von Euch argumentieren gerne mit anderen europäischen Ländern. Gemessen an unseren Nachbarn möchtet Ihr mit Euren bescheidenen Bezügen als Waisenkinder wahrgenommen werden.

Seltsam, immer wenn Euch nichts mehr einzufallen scheint, müssen andere Länder herhalten!

Ok, andere Länder. Nehmen wir die Schweiz: Rund 10.000, allerdings im Jahr. Oder gehen wir nach Frankreich. Immerhin eine Atommacht: Rund 5.500 pro Monat. Also, gebongt, wir orientieren uns an anderen Ländern. Orientieren wir uns an Frankreich. Wie wärs?

 

Solange Euer einheitliches Credo ist: Konsolidierung!

Solange Ihr alle Fragen mit drei Worten beantwortet: Sparen, sparen, sparen!

So lange Euer Ceterum Censeo ist: Bloß nicht ausgeben, was nicht vorhanden ist.

Solange geht bitte mit gutem Beispiel voran. Wenn Ihr unseren Gürtel über Jahre so eng schnallt, dass einige von uns kaum noch Luft bekommen, dann schnallt verdammte Scheiße noch mal auch Euren Gürtel endlich enger!

 

Ganz Deutschland macht Diät. Zumindest die meisten von uns. Und es geht uns nicht mehr so gut. Wenn nichts mehr hilft und der Jojoeffekt zuschlägt, vielleicht hilft da ja die Wundermedizin Hartz4.

 

Na, kommt schon:

Schließlich haben sie noch ein Dach übern Kopf.

Die brauchen nicht zu hungern!

Und sie haben sogar fließend Wasser.

 

Denen geht es doch so gut in dieser sozialen Hängematte.

Viel besser, als es ihnen vorher ging.

 

Hartz4 ist doch fantastisch.

Was für die Bürger gut ist, ist für Euch bestimmt gut genug.

 

Also, mein Vorschlag: Hartz4 für Euch im Bundestag!

 

So mal als Probeabo für zwei Monate.

Und wem es gefällt: Machen wir gleich ein Jahresabo daraus.

 

Na, wie schaut es aus? Seid Ihr dabei?


Mit freundlichen Grüßen aus Kartoffelhausen

Ihr Wolfgang Tornow






Thema des Monats April 08


Todesstrafe statt Liebling der Medien!

Wir erleben derzeit in den Medien eine Berichterstattung über ein Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes. Das Schlimme daran: Der Verbrecher selbst darf in den Medien zu Wort kommen, darf zitiert werden: Er sei kein Monster.

Habe ich das richtig verstanden?

Da vergewaltigt ein Mensch einen anderen
- und sagt, er sei kein Monster?

Noch dazu ein Kind?
- kein Monster?

Nicht genug, dass es bei einer Einmaltat bleibt. Nein, über Jahrzehnte!
- und ersagt, er sei kein Monster.

Noch dazu die eigene Tochter
- kein Monster?

Mehrere Kinder hat er mit ihr gezeugt. Die Mutter der eigenen Kinder ist zugleich auch die Schwester
- kein Monster?

Nicht genug damit. Er sperrt sie in den eigenen Keller. Aller Freiheiten beraubt. Isolationshaft über Jahrzehnte!
- kein Monster?

Abgeschnitten von jeglicher Außenwelt, kein Tageslicht, keine frische Luft, keine anderen Kontakte. Außer dem Peiniger selbst!
- kein Monster?

Einige der eigenen Kinder entwendet er der Mutter. Entscheidet, wer oben leben darf im Licht und wer nicht
- kein Monster?

Unvorstellbar und auch unbeschreiblich. Schlimm genug, dass so ein Mensch in den Medien zitiert wird und Aufmerksamkeit verdient, wie sonst kaum ein Superstar. Titelseiten damit gefüllt sind, Tag ein, Tag aus. Was muss man heutzutage nicht alles anstellen, um in der Tagespresse auf die Titelseite zu kommen!

Es ist verständlich, wenn Menschen jetzt die Einführung der Todesstrafe diskutieren.
Von mir aus kann dieser Verbrecher sich entscheiden, wo er aus dem Flugzeug aussteigt. Ob über der Sahara oder über dem Atlantik. Hauptsache aus 5.000 Metern Höhe und ohne Fallschirm.
Und diese Frage darf in einer zivilisierten Welt, in der es Gott sei Dank keine Todesstrafe mehr gibt, gestellt werden!
Denn die Frage ist, wie man mit Verbrechern umgeht, die eine besondere Härte, eine besondere Schwere mit ihren Untaten an den Tag legen, die alles andere übersteigt und in den Schatten stellt, was sonst üblich an besonderer Schwere begangen und deswegen überdurchschnittlich schwer bestraft wird.

Nein, es ist keine Schande, offen über die Todesstrafe in absoluten Ausnahmefällen nach zu denken.

Mit diesen Überlegungen und Gedanken sind wir allerdings viel zu sehr bei den Tätern und schenken ihnen eine Aufmerksamkeit, die sie nicht verdienen! Wir sind viel zu wenig bei den Opfern. Es ist eine Schande in einer zivilisierten Welt, dass in der Vergangenheit Missbrauchsopfer teilweise jahrelang auf Therapie warten mussten, nur damit nicht vor Gericht irgendwelche windigen Anwälte ihre Zeugenaussagen in Zweifel ziehen.

Ich verstehe nicht, warum, wenn über Opfer berichtet wird, dies manchmal sensationslüstern geschieht. Wie war kürzlich zu vernehmen: Ein Medienkonzern habe angeboten eine Million für das erste Foto von den Opfern zu zahlen! Und der Missbrauch der Opfer vollzieht sich nun in den und durch die Medien ohne Ende weiter. Erst missbraucht der Täter sein Opfer zu seiner eigenen Befriedigung, nun wollen sich die Medien an den Opfern gesund stoßen. Schlimm.

Es wird Zeit, dass die Medien sich einer Art Ehrenkondex verpflichten: Perverse Täter dürfen nicht zu Wort kommen. Und Missbrauchsopfer haben ein Recht auf Genesung und sind für die Medien absolutes tabu.


Die Begrifflichkeit Missbrauch ist eine schwierige. Insofern als sie einen positiven Gebrauch als richtig attestiert. Der richtige Ge-brauch. Nun frage ich, wie kann man einen Menschen, ein Kind gar, richtig ge-brauchen? Ge-brauchen und nutzen kann ich nur eine Sache, ein Ding, ein Etwas!


Jedes viertes Mädchen und jeder achte Junge ist Opfer von Missbrauch!
Wer jetzt an dieser Stelle erschreckt, lügt sich in die eigene Tasche, denn diese Zahlen sind seit Jahrzehnten bekannt!
Jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge.

Morgen, in der Hauptverkehrszeit, führen Sie mal für zehn Minuten Statistik:
Eins, zwei, drei, VIER!

Es gibt noch viel zu tun in diesem Land.
Denn so manches Kinderzimmer in unserer Nachbarschaft ist Verlies unendlichen Leids, einbetoniert hinter eine perfekten Fassade.

Eins, zwei, drei, vier.






Thema des Monats Februar 08


Rauchverbot: Spaßbremsen?

Nun ist es amtlich: Der Genuss von Tabakwaren in Gaststätten und Restaurants ist verboten. Die Gastronomie beklagt derzeit Einbußen bis zu 50%.

Der ambitionierte Raucher geht seiner Sucht draußen vor der Tür nach, wenn er nicht gleich ganz Zuhause bleibt. Noch ist Winter. Keiner der Anwohner hat nachts sein Schlafzimmerfenster geöffnet. Warten wir einmal den Sommer ab.


Die Zigarette ist über viele Generationen etabliert und galt lange Zeit als salonfähig.
Es ist fraglich, ob die Zigarette alle Zulassungen bekommt, wenn sie heute erfunden würde. Vermutlich nicht. Möglicherweise würden auch Alkohol und Kaffee keine Chance erhalten.

Die zur Zeit geführte Debatte, ob das quasi als Gewohnheitsrecht praktizierte Unrecht der Unterdrückung der Nichtraucher durch die Raucher eingeschränkt oder gar verboten werden darf, verfehlt das Thema:

Wenn etwas nicht richtig ist, darf es nicht geschehen. Ohne Ausnahme. Allerdings darf dann der Staat nicht daran verdienen.
Niemand erwartet ernsthaft, dass ein Hehler für seine gestohlene Ware Umsatzsteuer ans Finanzamt abführt.


Mehr als 14 Mrd. Euro hat der Staat allein im Jahr 2006 an Tabaksteuern eingenommen. Wer eine Schachtel Zigaretten für vier Euro kauft, zahlt rund drei Euro an Steuern. Die Frage, warum der Staat jedes Jahr Milliarden an Tabaksteuern einnehmen darf, kann nicht befriedigend beantwortet werden.


Schnell werden Tausende aufgeführt, die an den Folgen von Nikotin sterben. Dass mehr als die Hälfte davon bereits über 80 Jahre alt ist, wird gerne verschwiegen.

Wer mit dem Schutz der Nichtraucher argumentiert, muss konsequent bleiben. Wehrlose kindliche Opfer müssen auch in privaten Wohnräumen vor dem Zigarettenrauch bewahrt werden. Desgleichen gilt für den KFZ-Meister, der in der Ausübung seines Berufes vor vollgequalmten Autos geschützt werden will.


Es nimmt schnell skurile Züge an, denn jedes Gesetz greift nur dann sinnvoll, wenn es auch wirkungsmächtig verfolgt und Verstöße geahndet werden.

Ich sehe sie schon vor mir: Mit Feldstechern bewaffnet führt die Polizei auch Raucherkontrollen in der Hauptverkehrszeit durch. Der Fragekatalog: „Haben Sie was getrunken?“ wird erweitert durch die Frage „Haben Sie geraucht?“

In der Wohnung von morgen schrillt der auf Zigarettenrauch sensibilisierte Rauchmelder. Besonders sinnvoll, wenn der Wind den Rauch der heimlich auf dem Balkon konsumierten Zigarette danach nachts in die Wohnung bläst.

Heute ist es der Gastronom, der nebst Bußgeldern auch die Schanklizenz verlieren kann. Trifft es morgen vielleicht meinen Vermieter? Noch ist es nicht soweit. Spannend bleibt die Frage, was wohl als nächstes kommt: Ist es der Alkohol in der Öffentlichkeit? Oder wird es der Dicke sein, dessen Fettleibigkeit angeblich zu Lasten des Gesundheitssystems geht?


Spannend auch die Frage, wie man uns solche Verbote verkaufen wird:

Das Rauchen auf U-Bahnhöfen haben die Hamburger bereits vor vielen Jahren abgeschafft, aus Gründen der Sicherheit, wie es damals hieß.

Möglicherweise wird also schon bald der Alkohol verboten, selbstverständlich nur an besonderen Brennpunkten und natürlich nur zu meiner Sicherheit.


Ach, noch was: War einer von Ihnen kürzlich in der Disco?

Es stinkt gewaltig in der rauchfreien Disco. Nun nicht mehr nach Rauch, sondern nach Schweiß. Selbst engagierte Nichtraucher wünschen sich den einst verhassten Zigarettenqualm wieder.

Wie auch immer. Die Tage des Literaten, der in einem lauschigen Straßencafé bei einem Gläschen Rotwein und einer gemütlichen Zigarre sich vom Treiben der Menschen um ihn herum inspirieren lässt, sind gezählt.

Es kann einem wirklich das Lachen vergehen, bevor auch dieses verboten wird: Denn dieses lenkt meinen Nachbarn ab, von der Arbeit, vom Schlaf oder wovon auch immer und es verbraucht zu viel Sauerstoff.





Thema des Monats Januar 08


Wahl in Hessen: Kriminelle Ausländer?

Ich beteilige mich nicht an der jüngst durch den Wahlkampf einer hessischen Partei ausgelösten Diskussion, wie mit kriminellen Ausländern verfahren werden solle.

Diese Diskussion läuft Gefahr, einmal mehr rechtem Gedankengut Tür und Tor zu öffnen. Die Ursachen verkennt sie allemal:

Erst rationalisieren wir auf Teufel komm heraus Fahrkartenverkäufer, Kofferträger und Bahnschaffner weg.
Diese und viele andere Berufe gelten in einer vom Rationalisierungswahn geprägten Epoche als überflüssig.

Erstaunt stellen wir nun fest, dass Fahrkartenautomaten keine Schlägerei verhindern.


Wer hätte das gedacht: Ein blutüberströmt und bewusstlos am Boden liegender Mensch kann keine Notrufsäule betätigen.

Sensationell die Erkenntnis, dass Kameras, und seien diese noch so zahlreich, die Kriminalität lediglich beobachten. Verhindern können sie nichts.

Noch sind es menschenleere und schaffnerlose Bahnhöfe. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass der Supermarkt von morgen ohne jedes Kassenpersonal auskommen wird.


Der berufstätige Mensch ist bzw. wird gerade wegrationalisiert und der Schwache durch den Stärkeren.

Ersterer zieht als Kostenfaktor gegen den maschinellen Konkurrenten den Kürzeren,
Letzterer gegen den Gewaltbereiten - überflüssig werden beide.

Härtere Strafen? Mehr Überwachungskameras?

Selbst die Todesstrafe hat in den betreffenden Ländern nur selten zu einem signifikanten Rückgang von Kapitalverbrechen geführt.

Dem Fanatiker ist es egal, vielleicht sogar recht, wenn sein Attentat für die Nachwelt gefilmt wird und die Bilder um die Welt gehen.

Kriminellen, deren Handlungen im Affekt oder unter Drogeneinfluss geschehen, dürften eine Überwachungskamera gelinde gesagt am Arsch vorbei gehen.

Und die Generation U-Tube ist berauscht vom Ranking neuerer und spannenderer Videos, sie giert förmlich danach.
Der Ruf nach mehr Kameras gleicht einem Placebo für unser angeschlagenes Sicherheitsbedürfnis.

Mehr Kameras bedeutet vor allem ein Mehr an Berichterstattung.
Diese ihrerseits führt wiederum zu einer weiteren Beeinträchtigung unseres Sicherheitsempfindens, welches nach noch mehr Kameras ruft.

Die Anschaffung neuer Kameras beruhigt,
die eindrucksvoll dokumentierten Gewalttaten hingegen verunsichern.
Die Verzweifelung und Hilflosigkeit steigt mit zunehmender Kamerasierung.


Am Ende führt eine flächendeckende Überwachung nicht nur zum Verlust der Intimsphäre, sondern auch zum Verlust der Individualität des Einzelnen.

Aber sicher sind wir selbst dann nicht, selbst wenn wir draußen alle zum Exhibitionismus und drinnen zum Voyeurismus verdammt sind.

Auch dann werden in aller Öffentlichkeit Menschen niedergeschlagen und umgebracht.

Schlussendlich werden es die Taten von Exhibitionisten sein, deren Untaten das voyeuristische Verlangen einer aufs Zusehen konditionierten Generation-Monitor befriedigt.

Härtere Strafen? Mehr Überwachungskameras?

Solche Vorschläge wirken zynisch angesichts der vielerorts als überflüssig erachteten Sozialeinrichtungen und abgeschafften Jugendclubs.
Kommerzielle Freizeitangebote haben versagt. Halt und Orientierung vermögen sie nicht zu bieten.

Antworten auf das Fehlen sinngebender Instanzen von einst bleiben aus:

Kirchen, Gewerkschaften und Parteien haben längst an Strahlkraft verloren.

Und die Patchworkfamilie erzieht den Nachwuchs Zuhause lediglich in einem Bündnis auf Zeit.

Aber dafür sind wir live dabei.

Egal wie: Handys ohne hochauflösende Farbdisplays mit weniger als 16 Millionen Farben sind längst reif für das Museum.

Wir sind live dabei: Wenn nicht mobil, dann Daheim auf zig TV-Kanälen, oder in den mit Monitoren durchdrungenen Arbeits-Wohn- und Freizeitwelten.
Wir liegen verängstigt und beruhigt zu gleich, mancherorts vielleicht sogar sensationslüstern vor dem Bildschirm, wenn wir nicht auf der anderen Seite des Monitors gerade niedergeschlagen werden.






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Copyright by Wolfgang Tornow, Hamburg 2008

Mit spitzer Feder greift der Gesellschaftskritiker Wolfgang Tornow hier aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft auf und das Monat für Monat.